Weltweite Berichte zum Thema " Mikroperlen " und deren Folgen

2. November 2017

Weltweite Berichte zum Thema

Süddeutsche Zeitung 17. Febr. 2014

New Yorker müssen wohl bald auf ein beliebtes Schönheitsprodukt verzichten.

Der Generalstaatsanwalt will Kosmetikartikel mit Mikrokugeln - zum Beispiel Peelings - verbieten. Die Gefahr für Mensch und Umwelt sei zu groß.

In kaum einer anderen Stadt dreht sich alles so sehr um Selbstoptimierung und Schönheit wie in New York. Modische Kleidung und ein gepflegter Körper sind in Amerikas Millionenmetropole für viele unverzichtbar. Doch schon bald könnte ein beliebtes Hilfsmittel für einen makellosen Teint aus den Badezimmerschränken vieler pflegebewusster New Yorker verschwinden. Die Rede ist von Peelings mit winzingen Plastikkügelchen, die dazu dienen, abgestorbene Hautschüppchen zu lösen. Die Kugeln sorgen für saubere Gesichter. Aber sie verschmutzen die Umwelt.

New Yorks Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman hat nun einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der die Mikroperlen aus Kosmetikartikeln verbannen soll. Der sogenannte "Micro-Free Waters Act" sieht vor, dass im gesamten Bundesstaat keine Produkte mehr verkauft oder benutzt werden dürfen, die diese Plastikpartikel enthalten.

Auslöser waren die Forschungsergebnisse eines Chemiekurses, den die Forscherin Sherri Manson von der Hochschule SUNY Freedonia vor zwei Jahren leitete. Als die Chemikerin mit ihren Studenten die Wasserqualität am Eriesee untersuchte, machte sie eine erstaunliche Entdeckung.

Nachdem sie im Labor die Wasserproben von Seegras, kleinen Fischen und allem anderen organischem Material gereinigt hatten, blieben winzige Plastikkügelchen zurück. "Das hatten wir überhaupt nicht erwartet", sagte Mason dem Nachrichtensender ABC News. Bei den tausenden kleinen Kugeln handelte es sich zweifellos um Mikroperlen aus Kosmetik-artikeln.

2012 veröffentlichte die Chemikerin ihre Forschungsergebnisse in einer Studie. Anscheinend sind die Kugeln zu klein, um von den Kläranlagen aus dem Wasser gefiltert zu werden, vermutet Mason. So gelangen sie in Seen und Flüsse, verschmutzen das Grundwasser und dringen in die Nahrungskette ein, wenn sie von Fischen gefressen werden, die wiederum auf den Tellern von Menschen landen können.

"Sie verschwinden im Abfluss, aber das bedeutet nicht, dass sie weg sind", sagte der Politiker Robert Sweeney von der Demokratischen Partei dem Nachrichtensender ABC News über die Perlen. Wenn der Gesetzesentwurf in Kraft tritt, wäre New York der erste US-amerikanische Bundesstaat, in dem keine entsprechenden Produkte mehr verkauft werden. Auch weltweit dürfte New York damit eine Vorreiterrolle einnehmen.

Kosmetikhersteller müssten die Mikroperlen bis Ende 2015 durch organische Partikel wie zum Beispiel Salz oder Wallnusssplitter oder andere natürliche Mittel ersetzen, so wie es bereits bei vielen naturkosmetischen Artikeln üblich ist.

Erste Firmen haben bereits reagiert.

L'Oréal erklärte am Donnerstag, das Unternehmen werde ab 2017 keine entsprechenden Produkte mehr anbieten. Unilever hat schon 2012 versprochen, Plastikperlen bis 2015 aus seinen Kosmetikartikeln zu verbannen.

Thomas Schmidt, ARD-Hörfunkstudio New York
Mikro-Perlen in Kosmetikartikeln verschmutzen New Yorker Gewässer
T. Schmidt, ARD New York 05.03.2014 10:45 Uhr

Die schwere Last der kleinen Perlen !

Was die Haut schön machen soll, setzt der Umwelt hässlich zu: winzig kleine Mikroperlen, die vor allem in Peeling-Cremes enthalten sind, belasten Grundwasser, Flüsse und Seen von New York bis zur kanadischen Grenze. Ein New Yorker Gesetz soll nun Abhilfe schaffen und die Kosmetik-branche zum Umdenken zwingen.

Sie sind winzig klein, fast wie Sandkörner - mehr als 50 passen auf einen Viertel Quadrat-zentimeter. Kunststoff-Mikroperlen sind in mehr als 100 Kosmetikprodukten enthalten - in Zahnpasta, aber hauptsächlich in Peeling-Cremes, die abgestorbene Schuppen von der Haut abtragen sollen.

Aber was den Teint rein und fein hält, kann zu einer schweren Last für die Umwelt werden. Denn wenn sie nach der Gesichtswäsche in den Abfluss fließen, sind sie keinesfalls entsorgt. "Sie rutschen bei der Wasseraufbereitung durch, weil unsere Kläranlagen nicht dafür gemacht sind, derartig kleine Partikel auszufiltern", sagt Sherri Manson.

Die Chemikerin hat an der State University New York eine Studie zu den Umweltgefahren der Mikroperlen erarbeitet - mit beunruhigenden Ergebnissen: Die Perlen verschmutzen nicht nur das Grundwasser, sie gelangen auch in Flüsse und Seen, und Ströme wie der Hudson tragen sie bis in die Großen Seen an der US-kanadischen Grenze.

Auch der Politik bereiten die Perlen sorgen !

Und von dort landen die Perlen letztendlich wieder bei den Menschen auf dem Tisch. "Eben weil sie so klein sind, können sie in die Nahrungskette gelangen“, sagt Manson. Sie sehen wie Fischeier aus, werden von Fischen und Wasservögeln gefressen, die wiederum zum Speiseplan vieler Nordamerikaner gehören. "26 Millionen Amerikaner und Kanadier beziehen Speisefische und ihr Trinkwasser aus den Großen Seen", beschreibt Paul Galley von der Umweltorganisation Riverkeeper die Gefahr für die Bevölkerung.

Da die Perlen zu klein für die Kläranlagen sind, geraten sie problemlos ins Grundwasser, in Flüsse und Seen. Auch die Regierung des Staates New York zeigt sich beunruhigt. Dessen Justizminister hat nun einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Mikroperlen als Bestandteil von Kosmetikartikeln verbieten soll. Der Entwurf wird von einer breiten Mehrheit unterstützt, aber obwohl das Gesetz wohl erst im Sommer beschlossen wird, zeigt der Vorstoß jetzt schon Wirkung: "Einige Kosmetikanbieter hätten sich bereits freiwillig verpflichtet, künftig Mikroperlen nicht mehr zu verwenden", so ein Sprecher des New Yorker Justizministeriums.

Reaktion der Kosmetikriesen !

Der Konzern Unilever hatte bereits vor zwei Jahren angekündigt, bis 2015 auf Plastikpartikel zu verzichten. L'Oreal will diesem Beispiel ab 2017 folgen. Peeling-Cremes wird es aber auch dann noch geben, allerdings nur noch mit rein natürlichen Partikeln wie etwa zermahlenen Perlen oder Muschelschalen. Die tragen Schuppen genauso gründlich ab - wenn auch nicht ganz so hautfreundlich wie die Mikroperlen, sagt Kosmetikerin Judy Graham. "Die künstlichen Partikel sind kugelförmig, also völlig rund und damit sanfter auf der Haut." Wer schön sei will, sagt der Volksmund, muss eben manchmal ein bisschen leiden - und wenn es nur der Umwelt zuliebe ist.

Mikroperlen nur in Kosmetika ? Nein - auch in Handwaschpaste !

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